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BIO-Energie Schwaben – Verwandelt Abfall in Strom, Wärme und Kompost

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In den 80er Jahren war ein Umdenken in der Abfallentsorgung angesagt. Schließlich wurden Deponieraumvolumen und Verbrennungskapazitäten zur Mangelware. Beste Voraussetzungen, sich auf ein altes Prinzip der Alchemie zurückzubesinnen. Aus unreinen Stoffen sollen reine, edle Stoffe gewonnen werden. Diese Idee wurde zur Unternehmensphilosophie des Biomasse Kompetenz-Zentrums in Erkheim in der Nähe von Memmingen. Einer der Betriebe des Biomasse Kompetenz-Zentrums ist die BIO-Energie Schwaben GmbH.

Seit 1998 vergärt die BIO-Energie Schwaben Bioabfälle, Produktionsabfälle der Lebensmittelindustrie und Speisereste aus Hotellerie und Gastronomie. Aus den Abfällen entstehen hochwertige Wirtschaftsgüter wie Strom, Wärme und Kompost.

Mittels zukunftsweisender Technologie zählt die BIO-Energie Schwaben heute zu den weltweit führenden Unternehmen der Branche. 18.000 t Bioabfälle werden jährlich in den vier großen Spezialbehältern vergoren. 1/3 dieser Abfälle sind Speisereste aus Großküchen. Die restlichen 2/3 stammen aus der “braunen Tonne”. Die Abfälle werden in Spezialfahrzeugen gesammelt. Nach einer Zerkleinerung erwärmen sich die homogenisierten Bestandteile in den riesigen hermetisch abgeriegelten Tanks. Gleichzeitig beginnen sie zu verrotten und ein Gärprozess setzt ein.

Beim Vergären entstehen Faulgase. 50-70% davon sind Methangas CH4. Die restlichen Gase setzen sich aus Kohlendioxid und anderen Spurengasen zusammen. Mit dem Methangas wird ein eigenes Blockheizkraftwerk betrieben. Im BHKW stehen zwei Motoren von MAN (260 kW) und Jenbacher (625 kW) und treiben die Stromgeneratoren an. Auf diesem Weg werden jährlich etwa 4.800 Megawattstunden Strom erzeugt. Dieser wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und kann ca. 1.000 Haushalte mit Strom versorgen. Die aus der Abwärme der Motoren und aus dem Gärprozess freiwerdenden 5.700 Megawattstunden Wärmeenergie werden im Biomasse-Kompetenz-Zentrum nicht nur zur Gebäudeheizung sondern auch für die Trocknung von Holzpellets verwendet.

Ein Großteil der nach dem Gärprozess übrig bleibenden festen Reste der vergorenen Abfälle, die ca. 10% des Ausgangsmaterials betragen, können als Kompost und Düngemittel in der Landwirtschaft genutzt werden.

Die BHKW-Gasmotoren arbeiten nach dem Prinzip von Ottomotoren. Die Deponiegase, die anstelle von Benzin die Energie für die Gasmotoren liefern, werden über riesige Zündkerzen gezündet.

Im Gegensatz zu relativ sauberem Erdgas können die beim Verrotten von Abfällen entstehenden Gase allerdings Probleme beim Verbrennen oder bei der Entgiftung durch den Abgaskatalysator bereiten. Je nach vergorenen Abfällen schwankt ihre Zusammensetzung und Reinheit.

Dies hat wiederum direkte Auswirkungen auf die Zündwilligkeit des Gases und den störungsfreien Lauf der Gasmotoren. Auch das zur Motorenschmierung eingesetzte Gasmotorenöl, das in den letzten Jahren immer stärker auf die Verwendung in stationären Motoren hin entwickelt wurde, wird durch unsaubere Gase unterschiedlich beansprucht.

Wenn das Methangas stark mit Verunreinigungen angereichert ist, können diese meist sehr sauren Reaktionsprodukte fatale Auswirkungen auf die Schmierung des Gasmotors und die Standzeit der Ölfüllung haben. Daher sind regelmäßige Ölüberwachungen durch Schmierstoffanalysen ganz besonders wichtig.

Das Bio-Energie-BHKW ist ganzjährig, rund um die Uhr in Betrieb. Eine große Revision erfolgt nach 30.000 Betriebsstunden, d.h. nach ca. fünf Jahren. Dann steht die Anlage für sechs Tage still.

Die Gasmotoren sind mit 230 l bzw. 530 l Gasmotorenöl befüllt. Das Nachfüllen des Öles erfolgt bei zu niedrigem Ölstand automatisch. Alle drei Monate wird das Öl der Gasmotoren im Nebenstrom gefiltert. OELCHECK begleitet die Gasmotoren von Anfang an mit Schmierstoffanalysen.

Die Ölproben werden allerdings nicht nur anlässlich der Revision oder Filterung, sondern in regelmäßigen Abständen alle 300 Bh bis 600 Bh entnommen. Ursprünglich wurden von den Motorenherstellern Ölwechselintervalle von 300 Stunden oder Ölwechsel auf der Basis von Ölanalysen empfohlen. Anhand der Beobachtung durch die Analysen ist ein klarer Trend zu erkennen. Die bei 600 Bh durchgeführten Analysen zeigen nur selten auffällige Werte. Das Gasmotorenöl könnte deshalb theoretisch oft länger als 1.000 Bh im Motor bleiben.

Doch die Instandhalter der BIO-Energie Schwaben gehen keinerlei Risiken ein. Sie wechseln das Gasmotorenöl in der Regel nach ungefähr 750 Bh. Denn einige Ölanalysen haben gezeigt, dass sich trotz aller Kontrollen die Schwankungsbreite in der Zusammensetzung des Gases ändern kann. Auch andere Verunreinigungen können über die Ansaugluft in den Motor gelangen. Die Ölanalysen zeigen den optimalen Ölwechselzeitpunkt und rechtzeitig korrigierende Maßnahmen an, bevor ein saures Öl Lagerschalen angreift oder Verschmutzungspartikel abrasiven Verschleiß verursachen.

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