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Schnee aus vollen Rohren auf der Planai

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Die Planai in Schladming, das größte steirische Skigebiet, bietet Ski- und Snowboardfreaks all das, was zu einem gelungenen Winterurlaub oder Skitag dazu gehört. Dieses Jahr geht es auf der Planai schon ab Oktober richtig rund. Erfahrene Beschneiungsprofis, die eine der leistungsstärksten Schneeanlagen Österreichs bedienen, der erste natürliche Schneefall und niedrige Temperaturen haben es möglich gemacht.

Allerdings wurden vor Saisonstart erneut rund 6 Mio. € in Schneeanlagen und Pisten investiert. Der Schnee-Output auf der Planai wurde damit um 40 % erhöht, jener der benachbarten Hochwurzen um 30 %. Mit den zwei komplexen Systemanlagen kann die größte Schneemenge in kürzester Zeit ressourcenschonend produziert werden.

Zur Produktion von Kompaktschnee werden im Wesentlichen zwei unterschiedliche Verfahren, Propelleranlagen oder Schneilanzen, eingesetzt. Bei Propellermaschinen entsteht Schnee durch Einspritzen von feinsten Wassertröpfchen in den Luftstrahl des Gebläses. Bei Schneilanzen wird das Wasser durch Düsen direkt in die Umgebungsluft gesprüht, ohne Zuhilfenahme eines Gebläses. Zur Bildung von Gefrierkernen wird bei beiden Systemen in eigenen Düsen Wasser durch Druckluft zerstäubt.

Dadurch erreicht man feinste Zerstäubung und weitere Abkühlung und beschleunigt damit die Eiskristallbildung. Dieser Prozess funktioniert ab Lufttemperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Beim Herstellungsprozess spielt neben der Lufttemperatur und -feuchtigkeit auch der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Die Wassertröpfchen benötigen selbst bei feinster Vernebelung auch bei tiefen Temperaturen einige Sekunden, um in Form von Schnee zu kristallisieren. Um das gesamte Wasser in den Tröpfchen gefrieren zu lassen, ist es umso besser, je länger es durch die kalte Luft zum Boden schwebt. Damit für diesen Prozess genügend Zeit zur Verfügung steht, werden Schneianlagen mit einer möglichst großen Fallhöhe für die Wassertropfen konstruiert. Propelleranlagen, die auch versetzt werden können, werden heute oft auf Schwenk- und Hebevorrichtungen montiert und werfen die Wassertröpfchen zusätzlich in die Höhe.

Damit bei Schneilanzen dem Niederschlag von den Düsen bis zum Boden genügend Zeit für die Bildung der Schneekristalle bleibt, betragen die Lanzenhöhen etwa 6 Meter. Schneilanzen werden meist an steilen und für Propellermaschinen unzugänglichen Hängen stationär eingesetzt. Der für die Funktion der Lanzen erforderliche große Druckluftbedarf wird in zentralen Kompressorstationen erzeugt. Druckluft mit bis zu 10 bar Druck und Wasser je nach Höhenunterschied mit bis zu 90 bar werden zu den einzelnen Lanzen geleitet. Auf der Planai und Hochwurzen sind neben 55 Propelleranlagen über 500 Lanzen in Betrieb. Die Wasserversorgung besteht aus Speicherteichen, einem Wasserpumpwerk und einem komplexen Leitungsnetz. Die Verrohrung zieht sich über das gesamte Bergmassiv hin. Sechs dezentral im Gelände stationierte Kaeser-Schraubenkompressoren versorgen die Lanzen mit Druckluft. Strenge Umweltauflagen fordern nahezu öl- und belastungsfreie Druckluftqualität. Ein ausgeklügeltes Filter- und Überwachungssystem sorgt dafür, dass das Öl aus den Kompressoren vollständig aus der Druckluft abgeschieden wird – technisch ölfreie Luft. Damit selbst im Havariefall das vernebelte Öl keine Probleme bereitet, hat man sich entschlossen, esterbasische Kompressorenöle zu verwenden, auch wenn dies eine kürzere Standzeit der Ölfüllung und die verstärkte Überwachung des Öles mit Hilfe von Analysen bedingt. Die Kompressoren werden, abweichend von der bewährten Standardfüllung, mit einem biologisch schneller abbaubaren Kompressorenöl betrieben, das sich u. a. auch als „Bioöl“ mit der Bezeichnung „Panolin HLP Synth 46“ in Hydraulikanlagen bewährt hat.

Anders als bei Verwendung in Hydraulikanlagen hat ein Kompressorenöl einige besondere Aufgaben zu erfüllen. Während des Verdichtungsvorganges wird das Öl in den Verdichtungsraum gespritzt. Dabei kommt es mit der zum Teil relativ feuchten, angesaugten Umgebungsluft intensiv in Berührung. Es bildet einen Film zwischen den Flanken der Schrauben und dichtet so die Verdichtungsräume untereinander ab. Bei der Verdichtung von Luft treten Verdichtungstemperaturen von über 160° C auf. Das Öl führt den größten Teil der Verdichtungswärme ab. In einem Abscheider trennen sich Öl und Druckluft. Das aus der verdichteten Luft abgeschiedene Öl wird wieder dem Ölkreislauf zugeführt. Das Kompressoröl muss also temperaturstabil sein, abdichten, kühlen, die Reibung senken, den Verschleiß reduzieren und Korrosion verhindern. Daher sollte es sich durch folgende Kriterien auszeichnen:

  • extreme Oxidationsstabilität
  • sehr wirksamer Verschleißschutz
  • ausgezeichnetes Wasserabscheidevermögen
  • sehr gutes Luftabscheidevermögen

Auf der Planai ist das Öl in den Kompressoren besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Im Betrieb im Ölkessel sind Temperaturen von bis zu 100° C keine Seltenheit. Hinzu kommt die oft sehr feuchte Umgebungsluft, die durch den Verdichtungsprozess im Kompressor als Wasser anfällt. Auch wenn die Kompressorstationen in Gebäuden untergebracht sind, bildet sich aus der angesaugten Luft sehr schnell Kondenswasser. Das Kondensat vermischt sich intensiv mit dem Öl und muss entweder abgeschieden werden oder verdunsten, damit im Kompressor keine Korrosion entsteht. Kaeser empfiehlt für den eingesetzten Kompressorentyp bei der Verwendung des Originalöles alle 2.000 Betriebsstunden einen Ölwechsel. Zu Ölanalysen wird geraten, wenn darüber hinaus eine Verlängerung des Ölwechselintervalls angestrebt wird.

Biologisch schneller abbaubare Syntheseöle reagieren auf vorhandenes Wasser wesentlich empfindlicher als das Standardöl. In esterbasischen Ölen bilden sich durch Hydrolysevorgänge erheblich rascher aggressive Säuren und ölverdickende Oxidationsprodukte. Da die Belastungen für die Bioöle so extrem sind und übergreifende Erfahrungen für den optimalen Schmierstoffeinsatz fehlen, sind selbst bei Verwendung des relativ teuren Syntheseöls Ölwechsel in Abständen von 500 Betriebsstunden oder einmal pro Saison erforderlich. Darüber hinaus sind Ölanalysen unverzichtbarer Bestandteil in Bezug auf Wartung und Instandhaltung.

Auch, wenn im Saisonbetrieb auf der Planai in zwei Jahren maximal etwa 1.600 Betriebsstunden je Kompressor erreicht werden, setzen die verantwortlichen Instandhalter Schmierstoffanalysen von OELCHECK ein. Nach jeder Skisaison werden Ölproben ins Labor nach Brannenburg geschickt. Damit steht dann bereits vor dem Beginn der eigentlichen Wartungsarbeiten fest, ob das Öl wirklich gewechselt werden muss. Außer Kompressorölen lassen die Planai-Hochwurzen Bahnen auch regelmäßig die Öle aus den Getrieben, den Brems- und Spannhydrauliken der Seilbahnen und aus den Hydrauliksystemen der Pistengeräte kontrollieren. Die technische Sicherheit der Anlagen ist natürlich bereits durch ihre Bauart und Ausführung zu jeder Zeit gegeben. Doch die Schmierstoffanalysen von OELCHECK tragen vor allem zur Schadensfrüherkennung bei, denn eine kontinuierliche Verfügbarkeit aller Anlagen ist für den störungsfreien Saisonbetrieb ganz entscheidend.

Schließlich freuen sich in der Wintersaison am Tag oft über 15.000 Skifahrer und Snowboarder im Gebiet der Planai und Hochwurzen über eine perfekte Schneeauflage, auf der sie ihre freie Zeit auf der Piste genießen möchten.

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