Besseres Öl durch Zusatzadditive?

Aus OELCHECK
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Hersteller von Zusatzadditiven versprechen positive Auswirkungen, wie Schutz vor Verschleiß, längere Öllebensdauer und geringerer Kraftstoffverbrauch.Sind diese Aussagen realistisch? Was bringen solche Zusatzadditive überhaupt?

OELCHECK antwortet:

Über 50 % der Schmierstoffe, die in Deutschland produziert werden, werden direkt oder indirekt in Kraftfahrzeugen eingesetzt. Deshalb liegt es nahe, dass auch die Additivtypen, mit deren Hilfe eine weitere Verbesserung der Motorenöle erreicht werden soll, hauptsächlich für dieses Marktsegment angepriesen werden.

Dabei haben heute, anders als vor 40 Jahren, gerade die modernen, maßgeschneiderten Automotive Öle aber schon eine solch hohe Performance und Leistung, dass sie durch die nachträgliche Zugabe weiterer Additive kaum noch verbessert werden können. Um hochwertige Schmierstoffe zu entwickeln, werden aufwändige Versuche im Labor, auf Prüfständen und in Fahrzeugen durchgeführt, um die Wirkungsmechanismen der Additive zu prüfen und die günstigsten Kombinationen der Grundöle und Additive zu ermitteln.

  • Sie verbessern positive Eigenschaften des Grundöls, wie z. B. den Verschleißschutz, die Schmierung und das Lasttragevermögen.
  • Sie reduzieren unerwünschte Eigenschaften, wie z. B. die Alterung und das Schäumen.
  • Sie halten den Motor sauber und transportieren Verunreinigungen und Verschleißpartikel zum Filter.
  • Sie neutralisieren die bei der Verbrennung entstehenden schwefeligen Säuren, Alterungsprodukte und Stickoxide.
  • Sie erweitern den Temperatur-Einsatzbereich.
  • Sie reduzieren den Kraftstoffverbrauch, in dem sie Reibung und Verschleiß vermindern.

Moderne Schmierstoffe enthalten meist mehr als 10 % einer in aufwändigen Versuchen ausgeklügelten Wirkstoffkombination, damit all diese Anforderungen perfekt erfüllt werden. Alle Automobil- und Ölhersteller lehnen daher eine nachträgliche Zugabe von Wirkstoffkombinationen ab. Die Gewährleistungsansprüche entfallen, wenn Additive verwendet werden.

Die meisten der heute angepriesenen Wirkstoffe haben es auf die Reduzierung von Reibung und Verschleiß abgesehen. Gleichzeitig soll durch weniger Reibung auch Kraftstoff eingespart werden. Verspricht ein Hersteller von Zusatzadditiven eine Kraftstoffersparnis von mehr als 10 bis 15 %, ist dies unseriös. Denn eine solche drastische Reduzierung ist bei den heutigen Motoren physikalisch definitiv nicht möglich. Tests, die das beweisen sollen, wurden entweder mit alten Motoren durchgeführt oder beruhen auf Testverfahren, die lediglich einige Parameter des Öls prüfen. Oft sind die Eindrücke, dass soviel Kraftstoff zu sparen ist, rein subjektiv.

Werden trotzdem Zusatzadditive eingesetzt, ist grundsätzlich Vorsicht hinsichtlich möglicher Ablagerungen geboten. Wirksame Verschleißschutzadditive enthalten metallorganische Verbindungen z. B. auf der Basis von Zink, Molybdän, Phosphor oder Wolfram. Diese Metalle bleiben oft als Asche bildende Rückstände beim Verbrennungsprozess übrig. Durch sie entstehen Partikel die das Motorenöl zusätzlich belasten. Oft wird es dann mit der Menge der Schmutzpartikel nicht mehr fertig und es können sich Ablagerungen besonders an den heißen Stellen, wie Kolbenringnuten, Innenseite des Kolbenbodens oder Auslassventilen, bilden. Dadurch werden Toleranzen verändert oder die Wärmeabfuhr beeinträchtigt, weil eine isolierende Schicht aufgebaut wird.

Die bereits im Öl enthaltenen Detergentien halten den Motor sauber. Sie lösen Verschmutzungen, die durch den Alterungsprozess des Öls durch Verbrennung im Motor oder durch Verunreinigungen entstehen, in feine Partikel auf. Dispergentien halten sie in Schwebe uns transportieren sie zum Filter. So wirken sie gegen Schlamm und lackartige Ablagerungen, die sich in Form von Ruß, Oxidationsprodukten, Stickoxiden, unverbrannten Kraftstoffresten und Feuchtigkeit gebildet haben. Auf diese Weise sorgen Detergent/Dispersant Additive für saubere Kolbenringe und Ölwannen, ohne dass die Wirkung der Abgaskatalysatoren darunter leidet.

Bei Motorenölen lässt der Sulfat-Aschegehalt Rückschlüsse auf eine mögliche Bildung von Ablagerungen durch Öladditive an heißen Motorteilen schließen. In einigen Motorenöl-Spezifikationen wird deshalb auch der maximal zulässige Aschegehalt begrenzt. Da reibungsmindernde metallorganische Zusatzadditive meist sehr stark Asche bildend wirken, erfüllt das Öl bereits in diesem Punkt die Spezifikationen nicht mehr. Außerdem sind die Zusätze sehr oft als Katalysatorgift anzusehen, denn auch die Abgasreinigungssysteme sind meist nicht auf eine geänderte Ölzusammensetzung und den hohen Anteil von Ölprodukten im Abgas eingerichtet.

Für Industrieschmierstoffe können Zusatzadditive sinnvoller sein als für Automotive Öle. Ein schwach legiertes Getriebeöl kann durch entsprechende EP-Zusätze einen verbesserten Verschleißschutz erhalten. Doch der Einsatz eines Fertigprodukts mit gleichen Eigenschaften ist wesentlich weniger aufwändig.

Auch bleibt die Gewährleistung des Anlagen- oder Maschinenherstellers garantiert. Bei der Zugabe eines Additivs haftet weder der Additivlieferant noch der Ölhersteller für das Öl. Werden einem Metallbearbeitungsöl nachträglich Additive beigegeben, muss vor allem darauf geachtet werden, dass die Gewährleistung für das Originalprodukt nicht verloren geht und die antibakterielle Wirkung des Öls nicht beeinträchtigt wird.

Ob Motorenöl oder Industrieschmierstoff – achten Sie bitte darauf, dass Sie hinsichtlich Gewährleistung immer auf der sicheren Seite sind. Bevor Sie Zusatzadditive einsetzen, sollten Sie unbedingt die entsprechenden Hinweise im Betriebsstoffhandbuch Ihrer Maschine bzw. in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeuges berücksichtigen.

Quelle


ÖlChecker Frühjahr 2006, Seite 8