Europe

China

Wassergehalt in Ölen und Fetten

Wasser ist neben Verschmutzung durch Staub eine sehr häufig auftretende Verunreinigung in Ölen und Fetten. Es beeinträchtigt die Schmierfilmbildung von Schmierstoffen und ist eine Ursache für Korrosion von Maschinen und Anlagen. Um jedes wasserbedingte Risiko auszuschließen, empfiehlt OELCHECK für jede Öl- und Fettprobe eine Untersuchung auf ihren Wassergehalt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Vielfache Ursachen
  2. Gravierende Auswirkungen
  3. Sicherer Nachweis

Vielfache Ursachen

Eine Verunreinigung durch Wasser kann viele Ursachen haben.

  • Öl dehnt sich bei Erwärmung aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Bei einem Temperaturunterschied von 50° C beträgt die Volumenänderung bei einer 100 Liter Ölfüllung immerhin ca. 3,5 Liter.
  • Im Freien stehende Ölbehälter werden mit der Außentemperatur wechselnd warm und kalt. Durch falsche Gebindelagerung kann Regenwasser bei mit den Spundlöchern nach oben gelagerten Fässern ins Öl gesaugt werden.
  • Durch Stop-and-Go-Betrieb wird ein Motor oder eine Maschine nur kurzzeitig erwärmt. Beim Abkühlen bildet sich wegen der niedrigen Betriebstemperaturen Kondensat. In Motorenölen kondensiert zusätzlich noch Wasser aus den Verbrennungsgasen.
  • Getriebegehäuse oder Behälter von Umlaufanlagen „atmen“ häufig über die Einfüllstutzen. Ein Sieb an diesen Stutzen verhindert zwar den direkten Zutritt von Staub und meist auch Wasser. Doch über dieses Sieb kann kondensatfördernde, feuchte Luft eindringen.
  • Wellendurchführungen, Hydraulikzylinder oder Öleinfüllstutzen werden oft besonders gründlich mit einem Hochdruckreiniger behandelt, weil das hier ausgeschwitzte Öl wie ein Staubbindemittel wirkt. Modernen Dampfstrahlern mit einem Druck von über 80 bar halten die Dichtungen oft nicht mehr stand, deshalb dringt Wasser in den Schmierstoff bzw. die Anlage ein. Enthält das Dampfstrahl-Wasser noch einen Fettlöser, kann manchmal auch Schäumen der Ölfüllung durch dieses Reinigungsmittel auftreten.
  • Wasser aus dem Kühlkreislauf, das meist mit Frostschutz-Glykol versehen ist, kann über Leckagestellen wie fehlerhafte Dichtungen oder Risse im Zylinderkopf oder -block in das Schmier- oder Motorenöl gelangen. Auch defekte Wärmetauscher können die Ursache dafür sein. Neben dem Wasser verursacht das mit dem Mineralöl unverträgliche Glykol massive Schäden.
  • Wenn Öl durch Oxidation aufgrund von langer Einsatzzeit oder hoher Temperatur „sauer“ geworden ist und sich dadurch die Neutralisationszahl bzw. die AN (Acid Number) im Vergleich mit dem Frischöl deutlich erhöht, werden besonders gelötete Verbindungen im Kühlwasser-Kreislauf angegriffen. Das saure Öl ist dann der Grund dafür, dass an diesen Lötstellen durch Korrosion Leckstellen entstehen und inhibiertes Wasser ins Öl gelangt. Auch von der anderen Seite kann gealtertes Kühlmittel die Lötstellen angreifen.

Gravierende Auswirkungen

Wasser beschleunigt, wie auch jede andere Verunreinigung, die Alterung von Schmierstoffen.

  • Das Lasttrage- und Schmiervermögen von Wasser ist wesentlich niedriger als das von Öl. Wenn Wassertröpfchen als freies Wasser im Öl sind, kommt es an diesen Stellen nicht mehr zur Ausbildung eines stabilen Schmierfilms. Die Rauheitsspitzen der gepaarten Oberflächen berühren sich. Es kommt zu örtlichem Verschweißen und zu mechanisch abrasivem Verschleiß.
  • Wasser ist die Ursache für Rost und Korrosion an Eisen- und Nichteisenmetallen. Die Rostpartikel (unmagnetische Eisenoxide) und durch Korrosion abgetragene Buntmetalle, wie z.B. Kupfer, bewirken mechanisch abrasiven Verschleiß und beschleunigen die Öloxidation.
  • Bei Betriebstemperaturen von über 80 ° C beginnt das eingedrungene Wasser zu verdampfen. Die Laufflächen von Gleit- und Wälzlagern können durch die Dampfblasenwirkung teilweise fett- oder ölfrei gewaschen werden. Es kommt leichter zu Korrosion, abrasivem Verschleiß oder Fressern. In Hydraulikanlagen können die beim Erhitzen entstehenden Dampfbläschen Kavitation vor allem in den Hydraulikpumpen verursachen.
  • Wasser verursacht bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt die Bildung von Eiskristallen. Das Öl ist damit weniger fließfähig und kann seine Aufgabe als Schmierstoff nicht mehr erfüllen. Besonders Kältemaschinenöle aber auch Hydraulik- und Getriebeöle, die bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eingesetzt werden, sind hier gefährdet.
  • Isolier- bzw. Transformatorenöle müssen isolierend wirken und dürfen elektrisch nicht leitfähig sein. Deshalb sollen sie kaum Wasser enthalten. Mit zunehmendem Wasseranteil wird die Durchschlagsspannung erheblich vermindert.
  • Wasser führt besonders im Zusammenhang mit Staub zu einer Schlammbildung in Tanks und Behältern. Auch Öladditive, die das Wasser neutralisieren und damit unschädlich machen sollen, setzen sich zusammen mit den Wassertröpfchen in Filtern oder am Tankboden ab. Der Additivgehalt kann dadurch sinken.

Sicherer Nachweis

Spuren von Wasser sind in jedem Öl enthalten. Auch Frischöle sind nicht absolut wasserfrei sondern enthalten zwischen 15 ppm (Isolieröle) und 400 ppm (Motorenöle) Wasser.

Als typisch und tolerierbar gelten im Allgemeinen folgende Wasseranteile:

Frischöle 250 – 400 ppm
Getriebeöle 500 – 1500 ppm
Hydrauliköle 500 – 800 ppm
Motorenöle 800 – 1800 ppm
Kraftstoffe/Heizöle 80 – 200 ppm
Schmierfette 1500 – 3 000 ppm

 

Bei OELCHECK wird jede Schmierstoffprobe in mehreren Schritten in Bezug auf einen erhöhten Wasseranteil überprüft:

Visuell

Wasser ist mit einer Dichte von ca. 1,0 um mehr als 10% schwerer als Öl mit einem spezifischen Gewicht von ca. 0,9. Wenn das Öl mehr Wasser enthält, als von dem Öl selbst oder von den dispergierend wirkenden Additiven in Schwebe gehalten werden kann, setzt es sich am Boden des Probengefäßes als klares Wasser ab. In solchen Fällen ist die Verunreinigung durch Wasser als 2-Phasen-Bildung optisch deutlich zu erkennen. Der Anteil von freiem Wasser kann bei der Verwendung der transparenten Probengefäße leicht abgeschätzt werden.

Bei Syntheseölen auf Glykolbasis, die wie Wasser eine Dichte von ca. 1,0 haben, setzt sich Wasser nicht ab sondern verursacht eine Schlierenbildung Eine Trübung des Öls ist häufig ein sicheres Indiz für einen erhöhten Wasseranteil, der je nach Öltyp zwischen 500 und 5 000 ppm liegen kann, ohne dass freies Wasser abgeschieden wird.

Infrarot-Spektroskopie

Unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild wird im OELCHECK-Labor grundsätzlich bei jeder Probe der Wasseranteil mit der FT-Infrarot-Spektroskopie durch die Intensität der Absorptionsbande bestimmt. Wasserwerte über 0,1% können mit dem IR besonders dann genau ermittelt werden, wenn das Frischöl bekannt ist. (Ausführliche Informationen zur FT-IR-Spektroskopie s. ÖlChecker Frühjahr 2000).

Spratzprobe

Da die Frischölreferenz oft nicht genau bekannt ist, wird bei allen Ölproben noch zusätzlich der Wassernachweis mit einem „Spratztest“ durchgeführt. Dazu wird ein Öltropfen (0,2 ml) auf eine heiße Platte gespritzt. Wenn das Öl mehr als 0,1% Wasser enthält, schäumt es kurz auf und das Wasser entweicht spratzend und mit knatternden Geräuschen.

Mit einem geschulten Auge und der Erfahrung von Tausenden untersuchter Proben lässt sich mit dem Spratztest, meist bestätigt durch das IR, eine hinreichende Genauigkeit erzielen.

Karl-Fischer-Titration

Bei vielen  Schmierstoffen wie z.B. bei allen Synthese- oder Bioölen sollte der Wassergehalt besonders genau bekannt sein. Auch bei Trafoölen, Kältemaschinenölen und Kraftstoffen zählt jedes ppm Wasser. Ein absolut genauer und reproduzierbarer Wassergehalt wird mit einem zusätzlichen Verfahren, dem Karl-Fischer-Titrator, ermittelt. Je nach Öltyp und Kundenwunsch ist in den OELCHECK-Analysensets 2 bis 5 eine Wasserbestimmung nach der Karl-Fischer-Methode enthalten.