Europe

China

Motorenöle – Warnung vor unkontrollierten Ölwechselverlängerungen

Immer wieder werden Lifetime-Motorenöle, Nebenstromfilter und zusätzliche Additivmischungen für Motorenöle angepriesen. Entsprechend den Werbeaussagen sollen sie den Verschleiß des Motors, sowie den Kraftstoffverbrauch reduzieren und die Standzeit des Motorenöls um ein Vielfaches verlängern. Doch es gibt kein Motorenöl, keinen Ölzusatz und auch keine Nebenstromfiltration mit deren Hilfe eine unkontrollierte Verlängerung des vom Hersteller vorgeschriebenen Ölwechselintervalls pauschaliert erfolgen kann. OELCHECK warnt daher ausdrücklich vor solchen unkontrollierten Verlängerungen der Ölwechselintervalle.

Bei der Auswahl des geeigneten Motorenöls sind die Angaben des Fahrzeugherstellers im Betriebshandbuch unbedingt zu beachten. Hier werden in der Regel die Viskosität und die Qualität des Öls genau angegeben. Die meisten deutschen Fahrzeughersteller erteilen außerdem eine namentliche Freigabe für geeignete Motorenöle. In diesem Fall sollten auch nur die freigegebenen Motorenöle verwendet werden. Auf den Etiketten der freigegebenen Öle ist eindeutig vermerkt: „ist freigegeben von... gemäß...“. Falls keine namentlichen Freigaben vorhanden sind, sollte der Verbraucher in jedem Fall darauf achten, dass das Motorenöl die im Betriebshandbuch geforderten ACEA-Anforderungen (für europäische Fahrzeuge) bzw. die API-Spezifikationen (für andere Fahrzeuge) erfüllt.

Hinweise zu diesen Spezifikationen finden Sie im ÖlChecker Frühjahr 2005 unter „Augen auf beim Motorenölkauf“.

 

Schmierstoffe, die nicht eindeutig gekennzeichnet sind und die nur eine Viskositätsbezeichnung wie SAE 10W-40 tragen, sollten nicht eingesetzt werden. Auch Öle, die wegen einer fehlenden Freigabe mit unklaren Hinweisen beworben werden, wie: „erfüllt die Anforderungen“, „entspricht den Richtlinien“, „entwickelt im Hinblick auf die Vorschriften von…“ oder „kann verwendet werden für ….“ sollten nur nach Rücksprache mit dem Automobilhersteller verwendet werden.

Eine unklare Wortwahl weist meist darauf hin, dass das Öl nicht namentlich vom Fahrzeughersteller freigegeben wurde, sondern es sich um eine Selbsteinschätzung des Öllieferanten handelt. Im ÖlChecker Frühjahr 2005 haben wir auch zu dieser Problematik ausführlich Stellung genommen.

 

Die von den Kraftfahrzeugherstellern vorgeschriebenen Ölwechselintervalle beziehen sich nur auf getestete und freigegebene Öle. Dies gilt unabhängig davon, ob die Ölwechsel über Bordcomputer aus verschiedenen Leistungsparametern ermittelt werden oder als starre Intervalle vorgegeben sind. OELCHECK empfiehlt, sich zumindest während der Garantiezeit an diese Intervalle zu halten.

Möchten Sie aber dennoch aus Umweltaspekten längere Ölwechselintervalle realisieren, so sollten Sie zu dem Zeitpunkt, zu dem der Ölwechsel fällig ist, eine Ölanalyse durchführen lassen. Die Vielzahl der bestimmten Analysenwerte zeigt eindeutig, ob sich ein weiterer Öleinsatz noch lohnt.

 

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass bei der Vorgehensweise „längerer Öleinsatz auf der Basis von Ölanalysen“ eine oft erhebliche Verlängerung des angezeigten oder üblichen Ölwechselintervalls möglich ist. Allerdings kann ein einmal für einen Öl- oder Fahrzeugtyp gefundenes längeres Intervall keinesfalls pauschalisiert und verallgemeinert werden. Ein optimiertes Ölwechselintervall ist schließlich nicht nur abhängig von der Qualität des Motorenöls. Auch der Fahrzeugtyp, der verwendete Kraftstoff, die Fahrbedingungen, die Wartung von Öl- und Luftfiltern, Zündungseinstellungen, Umgebungs- und Öltemperaturen, sowie eine Vielzahl weiterer Faktoren beeinflussen die Öllebensdauer. Am häufigsten lassen sich im Langstreckenverkehr, wie z.B. von Nutzfahrzeugen mit optimalen Betriebsbedingungen, deutlich längere Ölwechselintervalle erzielen. Dies belegen die Ergebnisse von OELCHECK-Ölanalysen, aber auch Prüfstands- und Feldtests der Hersteller immer wieder.

Dagegen können sich die Ölwechselintervalle bei überwiegendem Kurzstreckenverkehr oder anderen ungünstigen Betriebsverhältnissen verkürzen. OELCHECK kann natürlich keine Aussage dazu machen, welches Öl "das beste Öl" ist oder wie lange mit welchem Öl ein Ölwechselintervall pauschal verlängert werden kann. Eines steht aber fest: Selbst synthetische Motorenöle höchster Qualität eignen sich nicht als Lifetime-Öle zur Lebensdauerfüllung für Kraftfahrzeuge.

Schließlich altern alle Öle, auch die vollsynthetischen. Sie oxidieren durch Reaktionen der Ölmoleküle mit Sauerstoff. Erhöhte Öltemperaturen (bereits über 60°C ist hoch), katalytisch wirkende Verunreinigungen und intensiver Luftzutritt beschleunigen den Prozess.

Auch die Säurebelastung von Motorenölen nimmt im Laufe ihres Einsatzes durch Verbrennungsprodukte zu. Blow-by-Gase, die auch für den „sauren Regen“ verantwortlich sind, gelangen in den Ölkreislauf. Schwefel, der aus dem Kraftstoff stammt, belastet das Öl mit weiteren Säureanteilen. Sie alle müssen von den Motorenölen neutralisiert und unschädlich gemacht werden. Damit nimmt die auch alkalische Reserve genannte Basenzahl (BN) eines Öls in Verbrennungsmotoren während des Betriebes ab. Im Frischöl kann aber die BN nicht entsprechend angehoben werden, weil die dafür verantwortlichen Additive metallorganischer Natur sind und u.a. harte Ablagerungen bewirken können.

Selbst hochwirksame Additive gegen Ölalterung (Antioxidantien) und Verschleiß (Antiwear) können diese Prozesse nur bis zu einem gewissen Grad auffangen. Hat das Öl seine Leistungsgrenze erreicht oder gar schon überschritten, ist der Motor in Gefahr:

  • Das Verschleißrisiko steigt, z.B. für die Kolbenringe und die Nockenwelle.
  • An den metallischen Komponenten des Motors, vor allem an Buntmetallen, kann Korrosion auftreten.
  • Die Viskosität des Öls kann ansteigen. Dadurch werden Kaltstart und Aufbau des Öldrucks erschwert. In der Regel steigen Öl- und Kraftstoffverbrauch. Oft wird außerdem die Abgasemission (Katalysatorgift) extrem negativ beeinflusst.

Fazit: Beachten Sie bei der Auswahl des Motorenöls unbedingt die Vorschriften des Fahrzeugherstellers im Betriebshandbuch. Wenn Sie fest vorgegebene oder vom Bordcomputer errechnete Ölwechselintervalle verlängern möchten, gehen Sie kein unnötiges Risiko ein. Lassen Sie die noch verbleibende Leistungsfähigkeit des Motorenöls von OELCHECK analysieren.

Quelle:

ÖlChecker Frühjahr 2008, Seite 6