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Biodiesel im Motoröl

Wir tanken nie Biodiesel. Trotzdem haben Sie in einigen Proben für unsere Dieselmotorenöle Biodiesel nachgewiesen. Dabei war der Anteil von Biodiesel manchmal sogar höher als der von normalem Diesel.

 

Wie ist das überhaupt möglich?

OELCHECK antwortet:

Wenn OELCHECK in einem Dieselmotorenöl weniger Diesel (z.B. 1.2%) und mehr Biodiesel (z.B. 2.8%) nachweist, muss dies nicht zwangsläufig aus dem Einsatz von reinem Biodiesel (sog. B100) resultieren. Besonders wenn das Motorenöl schon lange Zeit im Einsatz war, sind solche Werte bei dem heute handelsüblichen Dieselkraftstoff, so wie er aus der Zapfsäule kommt, „normal“.

 

Spezifikationsgerechter Diesel nach EN 590 enthält seit mehreren Jahren geringe Mengen an Biodiesel. Der Gesetzgeber hat vorgeschrieben, dass dem konventionellen Kraftstoff bis zu 7% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellter Biodiesel zugesetzt werden sollen. Die Motorenhersteller haben im Rahmen der Norm EN 590 dieser 7%igen Zugabe zugestimmt. Moderne Dieselmotoren verkraften diese Beimischung in der Regel auch problemlos. Allerdings können Schwierigkeiten auftreten, wenn ein Motorenöl sehr lange verwendet und/oder das Fahrzeug häufig im Kurzstreckenverkehr eingesetzt wird. Unsere Analysen haben gezeigt, dass sich im Motorenöl dann ein überproportional hoher Anteil von Biodiesel wiederfindet. Hier kommt es an der kalten Zylinderwand bevorzugt zur Kondensation von unverbranntem Kraftstoff oder Blow-by. Diese Teile werden durch den Kolbenhub „nach unten“ in Richtung Ölwanne abgeführt. Besonders wenn bei einem „kalten“ Motor hohe Leistung gefordert wird (z.B. Einsatzfahrzeuge) verstärkt sich dieser Effekt. Kraftstoff gelangt  aber auch bei Problemen mit dem Einspritzsystem ins Motorenöl. Konventioneller Diesel hat einen relativ frühen Siedebeginn. Er kann bei Öltemperaturen, die in der Ölwanne bei betriebswarmen Motor oft über 80°C betragen, verdampfen. Die Dämpfe werden dann über die Kurbelgehäuseentlüftung wieder der Ansaugluft zugeführt. Sie gelangen so in den Brennraum, wo siezusammen mit dem Kraftstoff verbrannt werden.  Biodiesel, von dem 7% im Kraftstoff enthalten sein können, gelangt über den selben Weg ins Motorenöl. Allerdings hat Biodiesel einen deutlich höheren Siedepunkt. Der im Gebrauchtöl vorhandene Biodiesel verdampft also im Gegensatz zu mineralischem Diesel bei Weitem nicht so leicht bzw. gar nicht aus dem Motorenöl. Es kommt also zu einer Anreicherung von Biodiesel im Motoröl. Der in der Raffinerie dem Diesel zugegebene Biodiesel kann noch geringe Anteile von „Triglyceriden“ enthalten. Triglyceride und andere Fettsäuren oder Biodieselbestandteile können bei üblichen Motorenöltemperaturen und langen Einsatzzeiten mit zunehmender Konzentration polymerisieren. Dabei entstehen oft Ablagerungen, die als eine Art Überzug auf allen ölbenetzten Teilen vorhanden sind. Sie behindern u.a. die Wärmeabfuhr durch das Öl und den nötigen Ölfluss durch z.B. Filterverblockung. Zusätzlich steigt die Tendenz zur Bildung von Verkokungen an heißen Stellen z.B., in den Kolbenringnuten und am Kolbenboden. Diese können dann zu Motorschäden führen.

 

Fazit: Da "normaler" Dieselkraftstoff heute bis zu 7% Biodiesel enthält, werden auch immer wieder Anteile von Biodiesel im Motorenöl nachgewiesen. Um die oben beschriebenen Risiken für den Motor zu vermeiden, sollte der Anteil von Biodiesel im Motorenöl jedoch 7% nicht übersteigen wenn für höhere Biodieselgehalte keine Herstellerfreigabe vorliegt.


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