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SAE-Klassen 110 und 190 für Automotive Getriebeöle

Warum wurden, zusätzlich zu den bisherigen Viskositätsklassen, für Automotive Getriebeöle die SAE-Klassen 110 und 190 eingeführt?

OELCHECK antwortet:

Die SAE (Society of Automotive Engineers) ist sowohl für die SAE-Klassen der Motorenöle (SAE J 300), als auch für die Viskositätseinteilung von Automotive-Getriebeölen verantwortlich. Die Ende 2005 von diesem Gremium überarbeitete SAE J 306 findet langsam in der Praxis Anwendung. Es gibt erste Anforderungen für SAE 110 bzw. SAE 190-Öle, die ersten Ölhersteller führen diese Schmierstoffe im Programm.

Es ist zu beachten, dass die SAE für Getriebeöle nicht eine Fortführung oder Ergänzung der SAE für Motorenöle ist. Trotz des höheren Zahlenwertes für die SAE-Klasse ist ein SAE 80 nicht doppelt so „dick“ wie ein SAE 40. Die Viskositätswerte der beiden Tabellen haben keine gemeinsame Logik. Die eine Tabelle ist gültig für Motorenöle, die andere für Getriebeöle. In beiden Tabellen sind gleichermaßen hoch- und niedrigviskose Öle vertreten.

Die Notwendigkeit für eine Überarbeitung der SAE-Klassen für Getriebeöle ergab sich aus dem weiten Viskositätsbereich der „alten“ SAE 90 (18.5 cSt bis <24 cSt bei 100° C) und der ehemaligen SAE 140 (24 cSt bis < 41 cSt bei 100° C). Dadurch konnte die tatsächliche Viskosität von Ölen stark von einander abweichen, obwohl diese in die gleiche SAE-Klasse fielen. Die beiden neuen Viskositätsklassen SAE 110 und 190 wurden eingeführt, um die jeweils oberen Bereiche dieser alten Klassen abzugrenzen. Die damit enger definierten SAE-Klassen, die sich nun auch leichter den für Industrieöle gebräuchlichen ISO-VG zuordnen lassen, erlauben den Getriebeherstellern eine höhere Flexibilität bei der Spezifizierung der Viskosität. So wird es einfacher, Getriebe so zu optimieren, dass die Balance zwischen Kraftstoffverbrauch und Haltbarkeit der Getriebe gefunden wird.

Der Einsatz eines zu „dünnen“ Öls wirkt sich oft negativ auf das Verschleißverhalten und damit die Lebensdauer eines Getriebes aus. Ein zu „dickes“ Öl hat einen erhöhten Kraftstoffverbrauch zur Folge oder es kann beim Schalten Schwergängigkeit verursachen.

Bei einer Getriebeölauswahl nach der Vorgänger-SAE konnte es passieren, dass eine Achse mit einem SAE 90-Öl befüllt wurde, das eine deutlich niedrigere Viskosität (z.B. 13.5 mm2/s) hatte, als das Getriebeöl (z.B. 22 mm2/s), mit dem ursprünglich die Erprobung erfolgte. Um zu verhindern, dass eine Achse mit einem zu dünnen SAE 90-Öl befüllt wurde, sah sich der Getriebehersteller häufig gezwungen, eine höhere Viskosität (z.B. SAE 85W-140 mit einer Viskosität von meist ca. 26 mm²/s) vorzuschreiben, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Heute kann in solchen Fällen z.B. SAE 110 eingesetzt werden.