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Ursache für abweichende Reinheitsklassen bei Vergleichsanalysen

Die von uns eingesetzten Industrie- Getriebeöle werden außer von OELCHECK in einigen Fällen auch im Labor des Ölherstellers oder des Filterlieferanten untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass bei solchen Vergleichsanalysen häufig die Angaben für die Reinheitsklassen voneinander abweichen. 

Was kann die Ursache für abweichende Reinheitsklassen bei Vergleichsanalysen sein?

OELCHECK antwortet:

Auch, wenn vorausgesetzt wird, dass die Proben als homogene Gemische optimal geteilt wurden (nach einander entnommene Proben können sich von Haus aus schon unterscheiden) und dass die Kalibration der Partikelzähler nach gleichen Standards erfolgte, können tatsächlich die Reinheitsklassen bei Einsatz von automatischen Flüssigkeitspartikelzählern (APC) abweichend ausfallen. Besonders betroffen von den Unterschieden sind hier hochviskose Getriebeöle der ISO VG 220 bzw. 320, wie sie zum Beispiel in Windkraftanlagen eingesetzt werden. Diese Öle müssen normalerweise verdünnt werden, bevor sie mit einem automatischen Partikelzähler untersucht werden können. Leider gibt es bis heute noch keine Norm, womit und in welchem Verhältnis diese Verdünnung erfolgen soll und wie die im Lösungsmittel vorhandenen Partikel zu behandeln sind. Das gewählte Verdünnungsmittel und das jeweilige Mischungsverhältnis können aber wesentlich die ermittelten Reinheitsklassen beeinflussen. Bei der Verdünnung der hochviskosen Getriebeöle verwenden Analyselabors zum Beispiel folgende Lösungsmittel in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen:

  • Heptan, Xylol oder Kerosin, verdünnt mit dem Getriebeöl im Verhältnis 1:1
  • Reines Toluol oder ein Toluolgemisch, im Verdünnungsverhältnis 1:3
  • Speziell gereinigtes Aviation-Hydrauliköl, (Basisöl zum Kalibrieren) im Verhältnis 1:1.

Gebrauchte Getriebeöle können die unterschiedlichsten weichen und harten Partikel enthalten. Speziell die harten Partikel, die durch Schmutz oder Abrieb ins Öl gelangten, sind besonders für die Wälzlager im Getriebe schädlich. Partikel, die relativ weich und meist schmierwirksam sind, wie die von Additiven und deren Reaktionsprodukten, Tribopolymere oder Silikon-Entschäumertröpfchen, schädigen normalerweise das Getriebe nicht. Bei einigen Öltypen sind diese weichen Bestandteile wünschenswerte Nebenprodukte für eine bessere Verschleißreduzierung. Luftbläschen und Tröpfchen können die Zählung zusätzlich stören. Bei der Untersuchung passieren all diese Teilchen, Tröpfchen und Bläschen die Optik des automatischen Partikelzählers. Der elektronische Zähler kann sie als Schatten wahrnehmen. Allerdings ist das Zählverfahren nicht in der Lage, weiche Partikel oder Luftbläschen von harten Partikeln, die Probleme verursachen können, zu unterscheiden. Toluol als Lösungsmittel kann hier Abhilfe schaffen. Es hat den Vorteil, einen Großteil der ölbasierenden Reaktionsprodukte, Tribopolymere sowie Wasser- und Silikontröpfchen im Öl so fein zu dispergieren, dass der Zähler sie nicht mehr feststellen kann. Der Partikelzähler erfasst somit nur die festen Teilchen. Der Einsatz von Toluol ist aus messtechnischer Sicht besonders für Getriebeöle sehr sinnvoll, doch wegen möglicher Gesundheitsgefährdung muss im Labor besonders sorgfältig damit umgegangen werden.

OELCHECK wird im Zusammenhang mit der Optischen Partikelanalyse (OPA) zukünftig Toluol verwenden, mit dem das Öl im Verhältnis 1:3 so verdünnt wird, dass es mit gleichmäßiger Geschwindigkeit den optischen Pfad passieren kann. Vor dem Verdünnen werden die Partikel im frischen Lösungsmittel gezählt und als Blindwert berücksichtigt. Unter diesen Voraussetzungen können wir davon ausgehen, dass die in den OELCHECK Laborberichten ausgewiesenen Reinheitsklassen den tatsächlichen Zustand des Öls in Bezug auf schädliche, harte Verunreinigungen so genau wie eben möglich widerspiegeln. Die von On-Line- oder On-Site-Partikelzählern angezeigten Werte für Reinheitsklassen können nicht mit den im Labor ermittelten Reinheitsklassen verglichen werden. Diese Partikelzähler eignen sich recht gut zur unverbindlichen Trendbeobachtung (z.B. das Öl ist sauberer geworden). Der ausgegebene Zahlenwert für die Reinheit ist allerdings nicht mit kalibrierten Partikelzählern zu vergleichen.

Falls Sie bei einer Probe deutliche Unterschiede zwischen den Reinheitsklassen von OELCHECK und einem Fremdlabor feststellen, sollten Sie sich ganz gezielt nach den Rahmenbedingungen für das Auszählen erkundigen und mit unseren Angaben vergleichen.

Quelle:

ÖlChecker Winter 2010, Seite 8