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Getriebeschäden trotz Ölanalysen?

Langsam glaube ich nicht mehr, dass sich die Ölanalysen und insbesondere die teure Zusatzuntersuchung der Optischen Partikelanalyse überhaupt lohnen. Das ist nun schon das zweite Getriebe mit einem kapitalen Schaden, in dem in der Probe auch nicht ansatzweise irgendwelche Hinweise auf Verschleißpartikel vorgefunden wurden oder auf einen erhöhter Anteil an Verschleißmetallen hingedeutet haben.

 

OELCHECK antwortet:

Sie beanstanden, dass die Ölanalysen drohende Schäden, wie den größeren Ausbruch an einem Getriebezahn und im zweiten Fall Pitting- und Grübchenbildung auf den Zahnoberflächen, nicht frühzeitig entdeckt haben. Dazu möchten wir im Folgenden Stellung nehmen. Prinzipiell gilt:

  • Die Ölanalysen können nur die Informationen liefern, die überhaupt in einer Ölprobe enthalten sind. Damit eine Ölprobe wirklich repräsentativ für das im Getriebe befindliche Öl ist, muss sie unbedingt korrekt entnommen werden. Die Richtlinien dazu finden Sie unter Probenentnahme.
  • Der Probenbegleitschein muss vollständig ausgefüllt sein. Alle Angaben müssen unbedingt richtig sein.
  • Schmierstoffanalysen sollten in regelmäßigen Abständen erfolgen, damit sich Trends zuverlässig erkennen lassen.
     

Wenn, wie im Falle Ihres ersten Getriebeschadens, ein relativ großer Teil eines einzelnen Getriebezahnes ausgebrochen ist und es anhand der Bruchkanten deutlich wird, dass dies als glatter Bruch aufgrund einer offensichtlich alten Rissbildung erfolgte, sind in einer Ölprobe keine Partikel zu finden, die auf diesen Ausbruch überhaupt hinweisen können. Das ausgebrochene Zahnteil bleibt aufgrund seines deutlich höheren spezifischen Gewichtes in einer Tasche des Planetengetriebes liegen. Oder es wird in eine Ecke des Getriebes gespült, in der wenig Ölturbulenzen auftreten. Eventuell wurde es auch zum Filter transportiert und dort wegen seiner Größe so gut ausgefiltert, dass nichts mehr davon ins Probengefäß kam. Ein aus einem Getriebezahn ausgebrochener Partikel von einigen Millimetern Größe, das nicht zwischen andere Zähne geraten konnte und dadurch zerkleinert worden ist, liefert dann genauso wenige Informationen, wie eine ins Getriebeöl gefallene Schraube oder Unterlegscheibe. Nur wenn Ausbruchteilchen zwischen die Zahnflanken geraten, werden sie so zerkleinert, dass sie im Öl relativ lange Zeit in Schwebe bleiben und damit in einer Referenzprobe zu finden sind.

Im zweiten Fall sind eine deutliche Pittingbildung und eine grübchenartige Schädigung der Zahnoberflächen aufgetreten. Allerdings geben Sie an, dass die Grübchen keine scharfkantigen Ränder mehr haben. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Schäden bereits vor längerer Zeit, z.B. in Form von Einlaufpittings entstanden sind. Die abgerundeten Kanten der Ausbrüche zeigen, dass sie jetzt bereits vernarbt sind, weil z.B. durch einen Wechsel der Ölsorte oder eine Änderung im Belastungskollektiv keine weiteren Ausbrüche mehr entstanden sind. Doch diese Pittings sind nach wie vor ein typischer Auslöser für eine Rissbildung, die zum Gewaltbruch in Form des geschilderten Zahnausbruchs führen können. Die zugehörige Ölprobe zeigt einen sehr guten Ölzustand, der auf eine Öleinsatzzeit von weniger als 10.000 Bh hinweist. Das Öl der analysierten Probe war sicher nicht die genannten ca. 70.000 Stunden im Einsatz. Es müssen über die Laufzeit des Getriebes mehrere Ölwechsel erfolgt sein. Leider gibt es zum Getriebe keine Trendanalysen, die zeigen könnten, dass bei früheren Proben die Pittingbestandteile sehr wohl in der Ölprobe vorhanden waren. Diese hätten zu diesem Zeitpunkt über die optische Partikelanalyse entdeckt werden können. Wenn aber, wie es die Vernarbungen der Grübchen zeigen, die Schädigungen an den Zahnoberflächen bereits einige Ölwechsel zurückliegen und die Informationen darüber bereits mit früheren Ölwechseln herausgespült wurden, können wir in der aktuellen Ölprobe natürlich nichts mehr finden.

Wir sind aber nach wie vor sicher:

Wenn regelmäßig – und zwar am besten halbjährlich, zumindest aber einmal pro Jahr – Ölanalysen als Trendanalysen durchgeführt werden, können Pittings, Grübchen und Graufleckigkeit, die meist die Ursache für eine Zerstörung des Getriebes sind, zuverlässig entdeckt werden. Auch der Grund für deren Entstehung und der Grad der Schädigung kann so erkannt werden. Wenn aber nur eine einmalige Analyse durchgeführt wird, können diejenigen Schäden, die bereits bei vorherigen Ölfüllungen ihre Informationen ans Öl lieferten, natürlich nicht mehr erkannt werden, weil sie ihren Informationsgehalt mit dem Ölwechsel verloren hatten. Eine richtige Probennahme vorausgesetzt, sind Ölanalysen ein kostengünstiges und unbestechliches Instrumentarium für Ihre vorbeugende Schadenserkennung in Getrieben. Nicht umsonst betrachten übrigens alle Getriebehersteller, Versicherungen und Hersteller von Windkraftanlagen Ölanalysen als wesentliches Instrument für eine vorbeugende Instandhaltung.