Ölalterung im Zeitraffer – OELCHECK führt „TOPP-Test“ als neues Prüfverfahren ein

Erscheinungsjahr: 2026

Wie lässt sich die Alterung eines Turbinenöls realistisch vorhersagen, bevor es überhaupt zum Einsatz kommt? OELCHECK hat dafür im Juni 2026 ein neues Prüfverfahren eingeführt: den TOPP-Test. Fachliche Impulse für die Einführung lieferten unter anderem Vorträge von Dr. Ludger Quick (Dr. Quick Schmierstoffberatung) und Jo Ameye (Fluitec) beim OilDoc Varnish-Symposium.

Hochleistungs-Gasturbine SGT-9000 HL von Siemens

Die Herausforderung in der Praxis: Moderne Gasturbinen erreichen heute deutlich höhere Leistungen und Wirkungsgrade als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Damit steigen auch Lagertemperaturen und -drücke – und folglich die thermische und oxidative Belastung der eingesetzten Turbinenöle. Etablierte Prüfverfahren wie TOST oder RPVOT liefern wichtige Aussagen zur Oxidationsstabilität eines Öls, lassen jedoch nur begrenzte Rückschlüsse auf seine Neigung zur Varnish-Bildung zu.

Die Hochleistungs-Gasturbine SGT-9000 HL von Siemens liefert 593 MW im einfachen und 880 MW im Kombikraftwerksbetrieb mit einem Wirkungsgrad von über 64 %

Alterung und Varnish-Potenzial im Blick

Genau hier setzt der TOPP-Test (Turbine Oil Performance Prediction) an. Vier Teilproben eines frischen Turbinenöls werden über drei, sechs, neun und zwölf Wochen bei 120 °C unter konstantem Luftstrom künstlich gealtert. Anschließend werden die Ergebnisse mit denen der Frischölprobe verglichen. Untersucht werden dabei jeweils Viskosität, Säurezahl, RPVOT, MPC und RULER. So entsteht ein umfassendes Belastungsprofil, das sowohl die Alterungsbeständigkeit als auch das Varnish-Potenzial einer Ölformulierung sichtbar macht.

Zusätzlich können die während der Alterung entstandenen Ablagerungen an den Wandungen der verwendeten TOST-Glasgefäße bewertet werden. Die Prüfnorm für den TOPP-Test und die zugehörigen detaillierten Bewertungskriterien befinden sich derzeit noch in Ausarbeitung. Nach Fertigstellung der Norm werden weitere Informationen von ASTM International veröffentlicht.

Für den vollständigen Testablauf mit Frischöl und vier gealterten Teilproben werden insgesamt 2,5 Liter Öl benötigt. Aus dem direkten Vergleich der fünf Proben lässt sich das Leistungs- und Alterungsverhalten des Turbinenöls über den gesamten Prüfzeitraum nachvollziehen. Die Ergebnisse können übersichtlich in einem gemeinsamen Laborbericht zusammengefasst werden.

Die für die Durchführung des TOPP-Tests eigens angeschaffte TOST-Testapparatur ist bei OELCHECK bereits installiert.

Eine Woche TOPP-Test entspricht etwa einem Jahr im Einsatz

Wie praxisnah das Verfahren ist, zeigt der Abgleich mit Felddaten: Nach Angaben von Dr. Ludger Quick entspricht eine Woche im TOPP-Test – abhängig von den jeweiligen Betriebsbedingungen und Belastungen – ungefähr einem Jahr Gasturbinenbetrieb. Fluitec hat diese Korrelation bereits anhand von Hunderten Gebrauchtölproben aus dem laufenden Betrieb überprüft.

„Eine große Anzahl von Testergebnissen des TOPP-Tests zeigt eine sehr gute Korrelation mit der Leistung dieser Produkte in der Anwendung.“
Dr. Ludger Quick
 

Übrigens: Auch für Öle im laufenden Betrieb interessant

Der TOPP-Test eröffnet nicht nur bei der Auswahl neuer Turbinen­öle zusätzliche Möglichkeiten. Auch bei bereits in Betrieb befindlichen Ölfüllungen kann er wertvolle Erkenntnisse liefern. Soll beispielsweise die Lebensdauer eines Turbinenöls durch die gezielte Zugabe von Antioxidantien verlängert werden, lässt sich die Eignung einer solchen Additivierung mithilfe des TOPP-Tests überprüfen. So kann bereits vor der Anwendung beurteilt werden, wie sich die Maßnahme auf das weitere Alterungs- und Leistungsverhalten des Öls auswirkt.

Quelle:

OELCHECKER Sommer 2026 | Seite 7