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SAE-Motorenöl oder HLP-Hydrauliköl für die Baumaschinenhydraulik?

Einige Baumaschinenhersteller empfehlen SAE Motorenöle für Hydrauliken, andere HLP-Öle. Wir möchten aber nicht zu viele unterschiedliche Öltypen einsetzen.
Welche Öle sind nun die besseren Hydrauliköle?
Motorenöl als Hydrauliköl oder HLP-Hydrauliköl?

OELCHECK antwortet:

In den letzten Jahren haben wir in unserem Labor über 80 000 Proben von Motoren- und Hydraulikölen aus den Hydrauliksystemen von Baumaschinen analysiert.Bei etwa 55 % der Proben handelte es sich um Einbereichs-Motorenöle, meist Erstfüllöle, der Viskositätsklassen SAE 20W20 (z.B. Liebherr) oder 10W (z.B. Komatsu, Caterpillar). Der Anteil, der auch für den Einsatz zugelassenen Mehrbereichs-Motorenöle SAE 15W40 und SAE 10W40, betrug etwa 25 %. Bioöle vom Typ HEES und mineralölbasische Hydrauliköle vom Typ HLP bzw. HVLP waren mit einer Quote von je 10 % vertreten. Dank der Vielzahl der untersuchten Proben können wir folgende repräsentative Aussagen machen:

  • Mehrbereichs-Motorenöle SAE 10W40 und SAE 15W40 sind entwickelt für den Einsatz als Motorenöl. In Hydraulikanlagen verhalten sie sich nicht optimal.
  • Einbereichs-Motorenöle schneiden, besonders wenn sie als Erstfüllöle konzipiert sind, deutlich besser ab als die Mehrbereichs-Motorenöle.
  • HLP- und HVLP-Hydrauliköle wurden vornehmlich für Industriehydrauliken mit Ölwechselzeiten von mehr als 5.000 Bh entworfen. Sie lassen sich länger problemlos einsetzen als Motorenöle.
  • Synthetische Bioöle auf der Basis gesättigter Ester verhalten sich, nicht zuletzt aufgrund der für diese teuren Öle verbesserten Ölpflege, am besten, wenn bei der Umölung der Rest-Mineralölanteil von weniger als 2% erreicht wird.

Diese Aussagen lassen sich begründen.

  • Mehrbereichs-Motorenöle verhalten sich in Hydrauliksystemen eher negativ. Sie enthalten einen Additiv-Anteil von bis zu 25% zur Verbesserung der Mehrbereichscharakteristik und der motorischen Eigenschaften. Beim Einsatz in einer Hydraulik stimmt zwar zunächst die Viskosität, aber nach relativ kurzer Betriebszeit von weniger als 1.000 Bh sind die VI-Verbesserer so zerstört, dass der ursprüngliche Mehrbereichs-Charakter des Öls nicht mehr vorhanden ist. Die Bruchstücke der zerscherten Moleküle verstärken den Prozess der Ölalterung, verursachen klebrige Rückstände und verschlechtern das Luftabgabevermögen. Das Öl kann innerhalb kurzer Zeit eine schwarze Farbe annehmen. Es drohen Schäden durch Kavitation.

Umfassende Informationen zur Problematik "Schwarzes Öl und Dieseleffekt" finden Sie im ÖlChecker Frühjahr 2000.

  • Einbereichs-Motorenöle verhalten sich ähnlich wie detergierende HLPD-Hydrauliköle. Sie enthalten ein für Motorenöle entwickeltes Additivpaket. Der hohe Anteil von Reinigungs- und Schmutztragewirkstoffen wird für Hydrauliken nicht benötigt. Problematisch werden diese Öle, weil die Zusätze das Luftabgabeverhalten bereits nach kurzer Zeit so beeinträchtigen, dass das Risiko für Kavitationsschäden erheblich ansteigt und Dichtungsprobleme durch den Dieseleffekt vergrößert werden.
  • HLP-Industriehydrauliköle sind für den Langzeiteinsatz in Hydrauliken konzipiert. Sie enthalten genau das richtige Grundöl und einen ausgewählten Additive-Cocktail. Wir raten aber davon ab, moderne zinkfreie Hydrauliköle HLP zu verwenden, weil diese umweltschonenderen Flüssigkeiten meist nicht mit dem zinkhaltigen Erstfüllöl oder auch nicht mit zinkhaltigen HLP-Ölen verträglich sind. Schlammartige Ausfällungen der zinkhaltigen Reaktionsprodukte verlegen oft Filter oder sind Ursache für Kavitation.
  • Die beste Performance in Baumaschinen zeigen Bio-Hydrauliköle auf der Basis gesättigter Ester. Durch ein natürliches EP-Verhalten werden nur wenig Additive (meist auf Schwefel-Phosphor-Basis) benötigt. Durch polare Eigenschaften tritt weniger Ruckgleiten und Quietschen auf. Die Dicht- und Führungsringe in Zylindern bleiben länger elastisch. Durch die feinere Filtration, die sich in einer besseren Reinheitsklasse zeigt, und den größeren Pflegeaufwand, der betrieben wird, weil Bioöle relativ teuer sind, können sie oft bis zu 10.000 Bh als Lebensdauerfüllung eingesetzt werden.

Doch für welchen Öltyp Sie sich langfristig entscheiden, bitte beachten Sie während der Garantiezeit unbedingt die Vorschriften des Anlagenherstellers und kontrollieren Sie anhand der Analysen, ob wirklich noch das Öl im Einsatz ist, das Sie vorgesehen haben!

Lesen Sie auch: Wundersame Ölvermehrung im Motor einer Baumaschine

Quelle:

ÖlChecker Frühjahr 2003, Seite 8